Mindern Steuerberatungskosten die Erbschaftsteuer?

13.08.2019

Vom Erben f√ľr die Erstellung berichtigter Steuererkl√§rungen gezahlte Steuerberatungskosten mindern die Erbschaftsteuer. Kosten f√ľr die R√§umung einer Eigentumswohnung des Verstorbenen sind nicht abzugsf√§hig.

So entschied das Finanzgericht Baden-W√ľrttemberg und widerspricht in Bezug auf die Beratungskosten der Verwaltungsauffassung. Die Entscheidung ist nicht rechtskr√§ftig. Das beklagte Finanzamt hat beim Bundesfinanzhof Revision eingelegt (Az. II R 30/19).

Die Kl√§gerin machte nach dem Tod ihres Vaters als Alleinerbin in ihrer Erbschaftsteuererkl√§rung Aufwendungen f√ľr die Erstellung berichtigter Einkommensteuererkl√§rungen 2002 bis 2012 (Nacherkl√§rung von in der Schweiz erzielten Kapitalertr√§gen) in H√∂he von 9.856 Euro und f√ľr die R√§umung der vom Vater bis zum Tod genutzten Wohnung, an der sie schon zu Lebzeiten des Vaters zu einem Viertel Miteigent√ľmerin gewesen ist, in H√∂he von 2.685,67 Euro geltend. Das beklagte Finanzamt setzte Erbschaftsteuer fest, ohne die Aufwendungen f√ľr die Erstellung der Einkommensteuererkl√§rungen und f√ľr die R√§umung der Wohnung zu ber√ľcksichtigen.

Die Kl√§gerin hatte mit ihrer Klage teilweise Erfolg. Das Finanzgericht Baden-W√ľrttemberg ber√ľcksichtigte die f√ľr die Erstellung der berichtigten Steuererkl√§rungen gezahlten Steuerberatungskosten als Nachlassverbindlichkeiten. Die Verpflichtung, unvollst√§ndige Steuererkl√§rungen zu berichtigen, sei auf die Kl√§gerin als Erbin √ľbergegangen. Komme diese ihrer Nacherkl√§rungspflicht nach, erf√ľlle sie "eine bereits bestehende Verpflichtung des Erblassers". F√ľr ein "Herr√ľhren vom Erblasser" sei nicht ma√ügeblich, wer den Steuerberater beauftragt habe, sondern, wer zur Abgabe vollst√§ndiger und richtiger Steuererkl√§rungen urspr√ľnglich verpflichtet gewesen sei. Dies sei der Verstorbene gewesen. Einem Abzug stehe nicht entgegen, dass die Erbin die Erkl√§rungspflichten ohne Steuerberater h√§tte erf√ľllen k√∂nnen. Der Fiskus habe ihre Entscheidung, einen Berufstr√§ger zu beauftragen, zu akzeptieren. Nicht abzugsf√§hig seien hingegen die Kosten f√ľr die Wohnungsaufl√∂sung. Eine Verpflichtung zur R√§umung habe es nicht gegeben. Die Kosten seien durch einen eigenst√§ndigen Entschluss der Kl√§gerin zur besseren Verwertung der Wohnung veranlasst worden und nichtabzugsf√§hige Kosten der Verwaltung des Nachlasses. Nicht entschieden wurde aus verfahrensrechtlichen Gr√ľnden, ob sich eine noch zu r√§umende Wohnung auf deren Grundbesitzwert f√ľr Zwecke der Erbschaftsteuer auswirke.

(FG Baden-W√ľrttemberg, Pressemitteilung vom 15.07.2019 zu Urteil vom 15.05.2019 - 7 K 2712/18; BFH-Az.: II R 30/19)