Doppelte Haushaltsf√ľhrung mit der ganzen Familie

08.11.2018

Eine doppelte Haushaltsf√ľhrung kann auch dann anzuerkennen sein, wenn Ehegatten mit dem gemeinsamen Kind zusammen am Besch√§ftigungsort wohnen. Dies hat der 7. Senat des Finanzgerichts M√ľnster entschieden.

Die miteinander verheirateten Kl√§ger sind seit 1998 in Westfalen berufst√§tig und lebten dort in den Streitjahren mit ihrer kleinen Tochter hier in einer angemieteten 3-Zimmer-Dachgeschosswohnung. In ihrem mehr als 300 km entfernten Heimatdorf ist die Kl√§gerin Miteigent√ľmerin eines mit einem Bungalow bebauten Grundst√ľcks. Der Bungalow wird von der Mutter sowie von der Familie der Kl√§ger bewohnt. Die Haus- und Zahn√§rzte der Kl√§ger und der Tochter befinden sich in der Umgebung des Heimatdorfes und der Kl√§ger ist dort Mitglied im Angelverein. Ferner trugen die Kl√§ger laufende Kosten und Instandhaltungsma√ünahmen am Bungalow.

Das Finanzamt gew√§hrte den Werbungskostenabzug f√ľr die Kosten f√ľr w√∂chentliche Fahrten in das Heimatdorf und die Unterkunft am Besch√§ftigungsort nicht, da nach der Lebenserfahrung davon auszugehen sei, dass der Lebensmittelpunkt inzwischen am Besch√§ftigungsort liege und die Kl√§ger in ihrem Heimatdorf auch keinen eigenen Hausstand unterhielten.

Der 7. Senat gab der hiergegen erhobenen Klage statt. Unabh√§ngig von dem ab dem Streitjahr 2014 geltenden neuen Reisekostenrecht h√§tten die Kl√§ger in ihrem Heimatdorf einen eigenen Hausstand unterhalten und seien dort nicht als G√§ste der Mutter anzusehen. Dies ergebe sich aus dem Alter der Kl√§ger und den von ihnen √ľbernommenen laufenden Kosten und den durchgef√ľhrten Instandhaltungsma√ünahmen. Die Kl√§ger h√§tten auch ihren Lebensmittelpunkt im Heimatdorf beibehalten, weil sich dort deren gesamtes Privatleben abspiele und sie sich sogar getrennt voneinander im Heimatdorf aufhielten. Auch der Vergleich der Wohnsituationen spreche nicht gegen die Annahme eines Lebensmittelpunkts, denn durch die Gartennutzungsm√∂glichkeit weise das Grundst√ľck im Heimatdorf eine h√∂here Wohnqualit√§t auf als die Dachgeschosswohnung am Besch√§ftigungsort.

(FG M√ľnster, Pressemitteilung vom 15.10.2018 zu Urteil vom 26.09.2018 - 7 K 3215/16)